24. Reisetürchen

CCH (Deutschland) – Dezember 2014

In Marokko hätte man mich gerne noch länger behalten, doch mein Flug verlässt Nordafrika pünktlich zu Weihnachten.

Auch wenn ich kurz bei meiner Familie in Hamburg vorbei schaue, so ist mein Ziel doch in Wirklichkeit der Chaos Communication Congress.
Eigentlich ist das auch nur ein Familientreffen. Das Treffen einer sehr großen Familie. Meiner Lieblingsfamilie.
Viele Freunde und Gesichter aus Deutschland und der Welt sehe ich endlich wieder und auch wenn man danach wieder in alle Richtungen verschwindet, so freut man sich schon auf nächste Weihnachten, wenn man anstatt Geschenke auszupacken wieder LEDs zusammenbaut, 3D Modelle druckt, oder auf einen Tee und Kaffee zusammen sitzt.

Dieses Mal ist für mich der Besuch umso wichtiger. Über ein halbes Jahr war ich nicht mehr wirklich in Deutschland und freue mich daher umso mehr endlich meine Freunde wieder zu sehen.
Den Reiserucksack muss ich nicht mal auspacken, sondern nur am Flughafen über die Schulter werfen und auf dem Kongressgelände wieder absetzen.
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23. Reisetürchen

Kiev (Urkaine) – Oktober 2016

Vielleicht bin ich zu viele Diktaturen gewöhnt, meine Reiseerfahrung von Nordkorea sitzt noch zu tief, oder ich habe einfach zu wenig Ahnung über den Osten Europas… Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus Allem.

Als ich das „Great Patriotic War Museum“ (Nationales Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg) betrete erwarte ich russische Propaganda, Glorifizierung spezifischer Helden und eine einseitige Geschichtsschreibung. Ich weiß nicht mal woher diese Erwartungshaltung kommt… Vielleicht durch den Titel, wahrscheinlich eher durch meine Einstellung gegenüber Ost-Europäischen Ländern.

Ich habe in der Schule viele über Napolion gelernt, Englische und Französische Geschichte, die Entstehung Amerikas, Griechenlands Probleme in der EU, oder Hilfspakete für Spanien diskutiert, aber von der Geschichte der Sowjetunion kenne ich kaum Kapitel.
Ich muss gestehen dass ich die Ukraine immer noch als Russland geprägtes Land wahrnehme und ich kenne Russland nur unter Putin.

All das wird mir schlagartig bewusst, als ich im Museum auf viele mir unbekannte Geschichtselemente der Ukraine treffe.
Vor allem stoße ich auf ein Land, dass sich auch sehr kritisch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander setzt. Ich erwartete ein
russisch geprägtes Kriegsmuseum und ich bekam wahrscheinlich den reflektiertesten Einblick in die Geschichte des zweiten Weltkriegs, den ich je in einem Museum gesehen habe. Weiterlesen

22. Reisetürchen

Normandie (Frankreich) – Oktober 2014

Als man mir einen „Ferienjob“ mit Hundebabys in Nordfrankreich angeboten wurde hatte ich noch keine Ahnung wie hart die Arbeit werden würde.
Eine Woche später stehe ich zwischen 9 Spinone Italiano Welpen und ihrer Mutter.

Mama und Papa sind Champions. Jedes dieser kleinen Babys wird für 900 bis 2000 Euro über den Tisch gehen.
Meine Aufgabe ist es die Kleinen von der Fünften bis zur Neunten Woche ihres Lebens zu Betreuen und Beschützen.
Der von mir vermutete „leichte Job“, sollte zum Ende unendlich viele Schnürsenkel, zwei Hosen, ein Paar Schuhe und einen Schal gekostet haben.
Ein Monat voller Chaos, Zerstörung, frecher Hündchen und meinem Klickzahlen-Aufstieg bei Vine. Weiterlesen

21. Reisetürchen

Tokio (Japan) – März 2015

Der Plan war eigentlich ganz einfach: Ich verschwinde etwas früher von der Rezeption, helfe meiner Freundin/Kollegin/Mitbewohnerin noch beim Aufräumen des letzten Hotelzimmer und dann verschwinden wir von der Nachtschicht nach Hause.
Als wir die Tür zum Zimmer jedoch aufmachen müssen wir feststellen, dass das halbe Zimmer zerstört ist. Überall liegt Kleidung herum, die Möbel sind zum Teil umgeworfen und Gegenstände sind über das Zimmer verstreut.
Wir gucken uns nur an und kontrollieren ob der Gast wirklich aus gecheckt hat. Als das System zeigt, dass er den Schlüssel persönlich abgab rufen wir unsere Vorgesetzte an. Wenn wirklich nur Kleidung und anderes herum liegt sollte, dann sollen wir die Dinge einfach in Pappkartons packen und ins Lager stellen und eine Schadensliste anfertigen.

Gesagt getan.
Doch nach und nach scheint es so als sei tatsächlich der gesamte Hausstand zurück gelassen worden. Wir finden Dokumente, Geldbörsen, Fotos, unterschiedliche Kreditkarten und Pässe. Nach einem Anruf bei weiteren Vorgesetzten steht der Plan fest. Die Dinge müssen weiter in Kisten verpackt werden, denn das Zimmer ist ab dem nächsten Tag wieder vermietet, doch sollen die Sachen nun sortiert gelagert und mit Beschriftungen versehen werden.
Da geht die Nacht hin. Tschüss pünktlicher Feierabend. Weiterlesen

20. Reisetürchen

(Fussa) Japan – Oktober 2015

„Ihr müsst heute Abend nicht mit dem Zug nach Hause. Ihr seid herzlich eingeladen bei uns auf der Base zu übernachten.“
Der Zugverkehr zurück nach Tokio ist wirklich unglücklich. Meine amerikanische Begleitung ist sofort begeistert, doch ich selbst zögere noch.
„Es handelt sich um eine Amerikanische Militärbasis, oder?“, frage ich vorsichtig.
„Ja. … Hast du deinen Pass vergessen, oder was macht dich so unsicher? Du warst doch Engländerin, oder Deutsche? Dann sollte das wirklich kein Problem sein.“, sagt meine Begleitung.
Ich habe dennoch Bedenken. Weiterlesen

19. Reisetürchen

Peking (China) – 2015

Wie taktet man seine Anti-Baby-Pille, wenn man zwei Tagen durch drei verschiedene Zeitzonen reist.
Probleme mit denen ich mich vorher noch nie beschäftigt habe.
Meinen Wecker kann ich dafür vergessen und so sitze ich in Peking und rechne selber nach wie viel Zeit mittlerweile vergangen ist.
Das Jetlag und meine Rechenschwäche macht das Vorhaben natürlich nicht gerade einfacher.
Am Ende beschließe ich sie einfach spontan abzusetzen. Ich habe im Moment eh keinen Sex, wahrscheinlich werde ich auch die nächsten Wochen mit niemandem Schlafen, meine Libido ist eh unglaublich gering… Warum sollte ich mir all den Aufwand machen. Sollte ich je wieder ein Sexualleben haben, dann kann ich ja einfach wieder anfangen. Weiterlesen

18. Reisetürchen

Moskau (Russland) – 2015

Ich laufe durch die Flughafenterminals auf der Suche nach Internet.
Ohne Erfolg.

Dabei will ich meiner Familie nur mitteilen in ein paar Stunden wieder in Deutschland zu sein, möchte erzählen, dass alles geklappt hat, und dass ich keine Verspätung habe.
Ich freue mich auf meine Freunde in Hamburg.
Ich freue mich nach Hause zu kommen.

Je länger man unterwegs ist, umso mehr frage ich mich was meine Heimat ist. Werde ich gefragt woher ich komme, so antworte ich meistens ‚Europa‘.
Mit der ‚typischen Deutschen‘ habe ich nicht viel gemeinsam. Eine Deutsche, die kein Alkohol trinkt und kein Auto fährt… da muss man sich manchmal einen Spruch gefallen lassen. Ich nehme das mit Humor.
Mein deutscher Pass ist der beste Pass der Welt und öffnet mir damit enorme Möglichkeiten, doch vermisse ich Deutschland kaum. Ich vermisse nicht mein Elternhaus, die Landschaft, oder meine Sprache. Was ich vermisse sind die Menschen: Freunde und Familie, die ich unendlich lange nicht mehr gesehen habe.
Ich glaube nicht das mein Gefühl mit einem Territorium verbunden ist. Weiterlesen

17. Reisetürchen

Inawashiro (Japan) – Januar 2015

Da sitze ich nun an der Bahnstation und die Telefonnummer bei der ich mich melden soll um abgeholt zu werden funktioniert ist.
Niemand spricht Englisch, meine Gastgeber sind nicht zu erreichen, ich habe keine Adresse und keinen Namen. Ich hinterlasse meine Telefonnummer auf allen erdenklichen Kommunikationswegen, doch niemand meldet sich die nächsten 12 Stunden.
Als gegen 22/23 Uhr die Bahnstation geschlossen wird, scheucht mich der Mitarbeiter mit meinen Sachen auf die kalten Straßen voller Schnee. Nirgendwo gibt es öffentliches WiFi und so stapfe ich nachts durch eine japanische Kleinstadt. Hotels sind nicht zu sehen, das Wasser ist mittlerweile in meine Schuhe gelaufen und alle Lichter sind aus. Weiterlesen

16. Reisetürchen

Tokio (Japan) – Februar 2015

„Entschuldigen Sie, darf ich Fragen warum sie ausgerechnet mich befördern?“, frage ich ungläubig. Meine chinesische Chefin guckt irritiert. „Ich brauche Jemanden der zuverlässig ist, dem ich Verantwortung übertragen kann, der pünktlich, flexibel und genau ist. … Und sie sind Deutsch.“
Wie angewurzelt stehe ich im Raum. Wurde ich gerade auf Grund meiner Nationalität befördert?

Ich nicke nur, bedanke mich für das Vertrauen und verlasse den Raum.
Für meine nächsten Aufgaben bin ich alles andere als Vorbereitet. Ich fühle mich nicht nur absolut unterqualifiziert, ich bin es.
Am liebsten hätte ich alles abgelehnt, aber ich war zu perplex und zudem hängt daran auch mein Visum.
So sitze ich leicht durcheinander in unserem Wohnzimmer und spreche mit meinem Kollegen. Dieser ist ähnlich irritiert von der Entscheidung, versichert jedoch dass ich wirklich gute Arbeit geleistet habe. Leider bringt mich das bei meinen neuen Aufgaben auch nicht weiter. Weiterlesen

15. Reisetürchen

Am liebsten würde ich eine ganze Blogreihe über das Packen von Reiserucksäcke machen. Man lernt nie so viel über einen Menschen, wie durch den Inhalt und die wichtigsten Utensilien seines Rucksacks. Muss man erst ein Mal all sein Eigentum auf den eigenen Schulter tragen, sind viele Dinge verzichtbar.

Schnell warf ich 50% meiner Klamotten über Bord und konzentrierte mich auf Einfarbige, dunkle Kleidung. Möglichst wenig und dafür hochwertige Sachen, war von nun an das Motto. Zwei paar Schuhe, Handy, Laptop, Akku, eBook-Reader, Kopfhörer, Kamera, Tupperware, PET Flasche, Seil, Ultraleicht-Hängematte, Decke, Hygiene Artikel, Handtuch, Desinfektionsmittel, Reiseapotheke, Kartenspiel, Reisepass, Kreditkarte, ein wenig Kleidung und Hauptsache genug Unterwäsche. Mein Inhalt ist recht Standard, schreit „Mittelschicht“ und hat ein Fable für Technik und Elektronik.

Das erste Mal war ich richtig erstaunt über den Inhalt einer Mitreisenden, als die junge Schwedin plötzlich ein Reisebügeleisen aus ihrem Rucksack zieht um ihre Blusen auch unterwegs perfekt glatt zu bekommen.  Weiterlesen