14. Reisetürchen

Ich war nie eines der Kinder die viel Heimweh hatten, war meistens gerne unterwegs und hatte eine Familie die mir schon früh Auslandsprojekte finanzieren konnte.
Gerne mache ich Dinge auf eigene Faust und fahre an neue Orte, oder zu neuen Veranstaltungen. Doch auch wenn ich ein froher und extrovertierter Mensch bin, so fährt die Einsamkeit doch immer mit.

Einsamkeit muss kein negatives Gefühl sein.
Ich mag das Gefühl des Alleinseins, oder auf sich gestellt zu sein.
Ich brauche meine Ruhe, manchmal meine eigenen Vierwände und arbeite manchmal gerne Stunden für mich.
Als ich mir die Wohnung in Japan mit fünf anderen Menschen geteilt habe, schlief ich ab und an im Büro um für mich etwas Ruhe zu haben.
Wenn in Marokko durchgängig Gast-Familie, Kollegen und haufenweise Kinder um einen herum wuseln, dann möchte man auch manchmal nur alleine am Strand sitzen. Weiterlesen

13. Reisetürchen

Riga (Lettland) – 2016

Erneut habe ich mehrere Stunden Umsteigezeit in Riga und dieses Mal bin ich vorbereitet.
Als junge Frau hat man einige Nachteile beim alleinigen Reisen, aber manchmal muss man auch seine Vorteile nutzen.

Ein paar Tage vorher stelle ich meine internationale Dating App auf Riga ein und beginne Interessante Menschen nach einer Stadtführung zu fragen.
lettlandAm Ende zeigt mir ein Geschichtsstudent für drei Stunden spannende Teile der Stadt. Ich hatte einen wunderschönen Einblick in Lettische Geschichte, gebe einen Kaffee aus und verspreche ihm mal Hamburg zu zeigen, sollte er mal in der Gegend sein. Weiterlesen

12. Reisetürchen

Riga (Lettland) – 2016

rigacityBis vor ein paar Tagen wusste ich noch nicht wo Riga liegt, doch als der günstigste Flug hier 6 Stunden Umsteigezeit hatte und ich feststelle das man vom Flughafen nur 20 Minuten bis in die Innenstadt braucht, gehe ich auf Erkundungstour.

Ich laufe durch die Altstadt. Kaufe einen Schal in einem der vielen wundervollen Geschäfte und spaziere durch malerisches Licht am Wasser entlang.
Ich schicke unendlich viele Selfies im perfekten Wetter an meinen Reisepartner in Kiev, trinke einen Tee in einem Teehaus und überlege noch kurz in ein Museum zu gehen. Dafür habe ich dann leider doch nicht mehr die Zeit. Weiterlesen

11. Reisetürchen

München (Deutschland) – Silvester 2014

Mein Flug sammelt immer mehr Verspätung. Nun strande ich auf dem Weg von Nordafrika nach Asien ausgerechnet in Deutschland. Ich kann gefühlt mein Zuhause in Hamburg erfühlen, doch sitze in München auf meinem Rucksack und starre auf die Schneelandschaft, die meine Abreise nun schon Stunden in die Länge zieht.

IMG_20150103_081605394Die Flugbegleiterinnen reden den wütenden Gästen gut zu, doch niemand weiß wann es weiter geht. Ich habe die Nacht nicht geschlafen, sondern Freunde noch kurz auf einer Silvester-Party überrascht. Wenn man schon mal in Deutschland ist, dann muss man das auch nutzen.
Jetzt merke ich den Schlafmangel, welchen ich eigentlich auf einem Langstreckenflug ausgleichen wollte.
„Heute Fliegen wir leider nicht mehr.“, kommt es durch die Ansage. Ich seufze. Weiterlesen

10. Reisetürchen

Rouen (Frankreich) – Oktobert 2014

Die Amerikanerin schreit das halbe Haus zusammen als sie im Büro von der Leiter fällt. Wir rufen den Krankenwagen und ich rede ihr gut zu. Was genau weh tut kann man nicht sehen. Vor Weinen bekommt sie keinen ganzen Satz mehr heraus.
Ihr Gesicht ist verkrampft, dass Reden hat sie komplett eingestellt und doch wird sie panisch als sie die Sirenen des Krankenwagens hört. Panisch wehrt sie sich transportiert zu werden.
Es braucht vier Männer, um sie mitnehmen zu können.

76811ff674Wir alle machen uns große Sorgen, kaufen den Tag noch kleine Geschenke und besuchen sie am Abend im Krankenhaus. Ein Bein und ein Arm sind gebrochen, mehr ist nicht passiert. Alles wird wieder gut verwachsen und wir sollen uns keine Sorgen machen.
Alle sind erleichtert.
Die Amerikanerin jedoch weint immer noch. Weiterlesen

09. Reisetürchen

Saint-Ouen-la-Rouërie (Frankreich) – Oktober 2014

Wenn man die letzten Monate nur Englisch gesprochen hat ist die Umstellung auf Französisch schwer. Nach und nach eigne ich mir wieder die französische Sprache an. Der Einstieg läuft schneller als gedacht, die Schulzeit ist noch nicht zu lange her.

Vor Ort helfe ich bei einer englisch-australischen Familie, dessen kleiner Sohn in der Schule und mit Freunden französisch spricht.
Er wird bilingual erzogen und springt zwischen den Sprachen mit einer Leichtigkeit, die ich nur bewundere. Weiterlesen

08. Reisetürchen

Vorort Marrakesch (Marokko) – September 2014

Eigentlich war ich nur auf dem Weg zum Marktplatz, doch irgendwo muss ich falsch abgebogen sein.
Zwischen all den Häuserblöcken verliert man gerne die Übersicht und eine Hauptstraße zur Orientierung ist nicht in Sicht.
Ich bin zu weit entfernt vom Zentrum um auf Menschen zu treffen die Französisch sprechen und so geistere ich durch die Gassen bis ich das Gefühl habe zum millionsten mal am selben Ort zu sein.

marktEine ältere Dame scheint zu erkennen, dass ich mich verlaufen habe, kommt auf mich zu und fragt mich mehrere Dinge in marokkanischem Arabisch.
Ich habe kein Wort verstanden.
Ich war auf dem Weg zum Markt um Essen zu kaufen. ‚Essen‘ ist einer der Wörter die mir recht schnell beigebracht wurden. Ich wiederhole es mehrfach und unterstreiche es mit einer Geste.
Die Frau nickt sofort und deutet an ihr zu folgen. Weiterlesen

07. Reisetürchen

Plymouth (England) – September 2014

Als mein Rücken anfängt zu brennen denke ich mir nicht viel dabei. Ich kann das Chlor des englischen Leitungswassers beim Duschen riechen und das meine empfindliche Haut leichte rote Stellen bekommt ist auch nicht verwunderlich.
Erst als die Stellen größer werden, mein Rücken beginnt zu brennen und ein Freund nach einer Google-Suche die Schlimmsten Diagnosen um sich wirft, mache ich einen Arzttermin.
„Shingles.“, ist die niedlich klingende Diagnose der Ärztin.
Zu Deutsch: Gürtelrose.
Eine Krankheit typisch fürs höhere Alter, die jedoch auch bei Stress ausbrechen kann. „Haben Sie gerade viel seelischen Druck?“, fragt die Ärztin. Weiterlesen

06. Reisetürchen

Tokio (Japan) – März 2015

„Arrrrrrgg“, macht meine Mitbewohnerin bevor sie hinter sich die Tür zuschlägt. Wir sitzen auf der Couch und gucken nur irritiert.
Ihr Date schien wohl nicht erfolgreich gewesen zu sein. Als wäre Dating allein nicht schon schwierig genug, hat sich meine amerikanische Mitbewohnerin vorgenommen mit einem Japaner auszugehen. Interkulturelles Dating. Eine Geschichte voller Missverständnisse. Ich habe bis heute nicht verstanden wie man fremde Japaner:innen anspricht, ohne wie ein Auto angeguckt zu werden.

Während meine europäischen Mitbewohner ständig bei unterschiedlichen japanischen Frauen landen, kommt meine Mitbewohnerin stetig frustriert nach Hause. Weiterlesen

05. Reisetürchen

Rabat (Marokko) – November 2014

„LSD ist wahrscheinlich die einzige Droge die ich meinen Kindern empfehlen würde.“, sagt mein Kollege als wir auf unserem Schuldach sitzen, und über den Atlantik gucken. Der Texaner war mal auf dem Weg die amerikanische Karriereleiter nach oben zu klettern, bis sich seine Freundin mit einer Überdosis in der Badewanne umbrachte. Er packte eine Tasche, verließ das Land und lebt von nun an von einen Tag in den Anderen.

marocco„Ich gebe nicht dem Zeug die Schuld. Drogen sind auch nur ein Ausdruck von Leid. Das Leid war schon vorher da, es hätte sie vielleicht auch so umgebracht.“
Während wir die Unterhaltung führen zündet er sich einen Joint an. Weiterlesen