Die Radioaktivität im Nacken

In Kiew schaue ich auf mein Strahlen-Dosimeter. Leise summt es im Takt. Das Display zeigt 0.14 µSv/h.
Noch ist alles absolut normal, aber in einer paar Stunden werde ich die Sperrzone von Tschernobyl betreten.
IMG_0941Das erste Mal in meinem Leben habe ich vor einer Reise Angst. Normalerweise kann ich die Gefahren meiner Reisen abschätzen. Man darf es sich nicht mit der Regierung verscherzen, keine Gesetze brechen und sich an Sicherheitshinweise halten. Befolgt man diese simplen Regeln, so hat man häufig nichts zu befürchten.

In Nordkorea bekamen wir sogar einen Zettel mit Verhaltensregeln. Das gibt Sicherheit. Von nun an liegt es an einem selbst, in wie viel Schwierigkeiten man sich bringen möchte, oder hat einfach Pech.
Am Ende hofft man dank seiner privilegierten Staatsbürgerschaft aus seiner misslichen Situation befreit zu werden.
All diese Schäden, so schrecklich sie auch werden können, sind reparabel. Setze ich mich hingegen einmal einer zu hohen Strahlendosis aus, wird dies mein Leben auf ewig beeinflussen.

Freunde und Verwandte sind besorgt, fragen, ob ich mir schon Eizellen habe einfrieren lassen für den Fall, dass ich unfruchtbare werde, oder legen mir nahe, Jod-Tabletten zu nehmen. Das erste Mal kann ich ihre Bedenken nicht mit einfachen Sätzen wegwischen, denn ja ich habe keine Ahnung von Radioaktivität. Weiterlesen