„Mein Freund der Führer“ – Ein Blick in das Bildungssystem Nordkoreas

Bildung ist in Deutschland ein hoch anerkanntes Gut. Es soll das selbständige Denken fördern, unsere anerkannten Werte vermitteln und so die Demokratie festigen.

Als wir mit den Planungen unserer Nordkoreareise begannen, wollten wir vor allem einen Einblick in das Bildungssystem erhalten. Uns war bewusst, dass dieses kompliziert werden würde.

Bereits im Vorfeld sprach ich viel mit der Reiseagentur, welche Optionen möglich waren und ob es möglich ist, mit Schülern und Lehrern in Kontakt zu kommen. Versprechen wurden uns keine gemacht, wir wurden lediglich über bestehende Möglichkeiten informiert, welche von unserem Benehmen vor Ort sowie anderen Faktoren und Glück abhängig sind.

DSC04340Nordkoreaner erzählen gerne von ihrem Bildungssystem, das flächendeckend sein soll. Kindergärten und Grundschulen gäbe es überall, Mütter könnten sofort wieder in den Beruf einsteigen, denn die Versorgung des Kindes sei vom Staat gedeckt. Internationale Wettbewerbe sind bereits von nordkoreanischen Kindern gewonnen worden, es gäbe eine Begabtenförderung und über das gesamte Land verteilt gäbe es Universitäten, welche man mit den richtigen Schulnoten besuchen könne. Weiterlesen

Vertrauen ist gute, Kontrolle ist Nordkorea

Keinen Schritt bewegen wir uns bei unserem Aufenthalt, ohne von einer Kamera oder einem unserer Reiseleiter beobachtet zu werden. Ungewohnt und beängstigend ist das Gefühl der Überwachung in diesem Ausmaß und nicht selten fühle ich mich unwohl.
Unser Reiseführer ist unglaublich entspannt und tolerant, oft genehmigt er uns Fotos, die Sicherheitsbeamte später bitten zu löschen.
IMG_9505Lediglich, wenn man gegen die allgemeinen Regeln Nordkoreas verstößt, muss man sich Sorgen machen. Auf dem Universitätsgelände fotografiere ich ohne böse Absichten die Bronzestatue Kim Il Sungs von hinten, etwas, was nicht nur unglaublich unhöflich, sondern schlichtweg verboten ist. Drei Minuten später steht plötzlich ein Mann, den ich noch nie zuvor gesehen habe, neben mir und deutet auf meine Kamera. Es dauert einen Moment bis ich verstehe, was er von mir möchte und Weiterlesen

Ein Leben zwischen Propaganda und Führerkult

Als ich zur Welt kam, war Hitler genau 50 Jahre tot, die Sowjetunion aufgelöst und Deutschland bereits wiedervereint.
Führerkult und Kommunismus sind Themen, die mir ausschließlich aus dem Schulunterricht bekannt sind und dort unter anderem so überrepräsentiert waren, dass jedes Mal ein gelangweilter Blick in den Gesichtern von mir und meinen Mitschülern auftauchte, wenn der zweite Weltkrieg mal wieder thematisiert wurde.
Kein Wunder, dass meine Generation „die Welle“ benötigt, um nicht dem Glauben zu verfallen, so etwas könnte nie wieder passieren.
Sieht man zur heutigen Zeit die Aufzeichnung einer Rede Hitlers, so wirkt sie fast schon karikaturartig, ebenso wie die nordkoreanische Selbstdarstellung aus unserer Sicht lächerlich scheint, wenn sie in vielen deutschen Nachrichten mit Schlagzeilen wie „Was plant der Irre aus Pjöngjang?“ durch den Kakao gezogen wird.
Militärparaden musikalisch unterlegt mit dem Hell March und Kim Jong Un Memes sind schon lange aus dem Internet nicht mehr wegzudenken.

Die erste Berührung mit nordkoreanischer Propaganda haben wir tatsächlich noch, bevor wir China überhaupt verlassen haben. Wo sonst vor dem Flugzeug internationale Zeitschriften ausliegen, gibt es die „Pjöngjang TIMES“, welche auf vier Seiten die schönsten Nachrichten Nordkoreas für uns bereithält. Mit seinen Artikeln von „Kim Jong Un weiht einen Staudamm ein“ bis hin zu „Ein Mädchen schreibt gerne Gedichte“ scheint das Blatt fast genauso skurril wie die Regeln, die es mit sich bringt. Knicken darf man die Zeitung nur, wenn dabei das Führerbild auf Seite eins ungeknickt bleibt, wenn Weiterlesen

Was wissen Nordkoreaner über die Außenwelt?

Nordkorea isoliert sich von der Welt, die Menschen leben abgeschottet mit Propaganda in Zeitungen, im Fernsehen und auf Plakaten.
Umso höher ist der Drang, etwas über die Außenwelt in Erfahrung zu bringen. Von jedem Nordkoreaner werden wir gefragt, ob das Leben in Deutschland ähnlich ist, was wir von den Ereignissen vor Ort halten und ob es uns gefällt.
Ich bemühe mich, so wahrheitsgetreu wie nur möglich zu antworten, auch wenn in meinem Hinterkopf das Wissen schlummert, gerade überwacht und kontrolliert zu werden.
Wie viel darf ich sagen?
Sollte ich sagen, was gehört werden will?
Kann ich durch bestimmte Aussagen Nachteile erhalten? Weiterlesen

Tweets aus Nordkorea

Bevor das Einhorn Blogeinträge schrieb, beschränkte es sich bei Twitter auf 140 Zeichen. Unter anderem erschienen „Tweets aus #Nordkorea“, eine Reihe, die schnell eine gewisse Bekanntheit erreichte.

Das Konzept ist denkbar einfach:

In Pjöngjang hatten wir keinen Zugriff auf das Internet, daher verfasste ich Tweets, speicherte sie in den Entwürfen und sendete sie mit genau 14 Tagen Verzögerung aus Deutschland.

TweetsAusKoreaAlle Tweets gibt es nun zum Nachlesen:

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Warum Nordkorea?

„Mama, ich flieg nach Nordkorea“
„Sag noch mal Bescheid, bevor es los geht und ob ich noch was einkaufen soll.“

Ganz so entspannt wie meine Mutter haben nicht alle Menschen meine Reise betrachtet. Viele Menschen waren um meine Sicherheit besorgt, konnten eine Nordkoreareise nicht nachvollziehen oder kritisierten mich für die Unterstützung eines totalitären Staates.

Warum Nordkorea?

photo_2015-09-30_20-17-15In meinem Leben war ich in mittlerweile 18 Ländern. Nie musste ich mich für eines rechtfertigen. Die Gründe, ein Land zu besuchen, können von ganz unterschiedlicher Natur sein. Für mich war es immer Interesse an den Menschen, der Kultur und Sprache. Wie Menschen abseits meines Tellerrandes oder meiner Komfortzone leben, interessiert mich. Dass die Reise nach Nordkorea nicht mit meinen anderen vergleichbar ist, ist aufgrund des Aufwandes schon im Vorfeld zu sehen; dennoch haben sich meine Beweggründe nicht verändert.

Ist Nordkorea sicher?

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1. Mai Stadion – Skurrile Erfahrungen aus Nordkorea

Fragen mich Menschen: „und… wie war es in Nordkorea?“, dann erzähle ich meistens zwei Geschichten.

IMG_9265Die Erste handelt davon, wie wir in einem alten DDR Wagon in der 100m tief, unter dem Fluss von Menschenhand erbauten Metro Pjöngjangs sitzen, eine aus Marmor gebaute Station passieren und neben mir ein Nordkoreaner eine Kopie von Flappy Bird auf seinem Smartphone spielt.

Die Zweite vom Besuch des 1.Mai Stadions. Weiterlesen

Von der Hungersnot, dem Elektrizitätsproblem & der Landwirtschaft in Nordkorea

Besucht man Nordkorea als Tourist, dann werden beim Essen keine Kosten und Mühen gespart. Jedes Menü besteht aus mehreren Gängen, welche typisch koreanisch auf kleinen Tellern nacheinander serviert werden. Zu jedem Menü gehört Reis, Suppe, Gemüse, Fisch und mindestens zwei Fleischsorten.
Von Lebensmittelknappheit ist nichts zu sehen, lediglich das Problem der oft fehlenden Elektrizität macht sich bemerkbar, da die meisten Speisen zwar gekocht, aber kalt serviert werden. Es scheint nicht möglich, Essen warm zu halten.
Ab und an fällt unter anderem in den Restaurants der Strom aus und nicht immer können Elektrogeräte an den Steckdosen des Hotels geladen werden.

IMG_9773Fährt man durch die Landschaft Nordkoreas, dann findet man keines der Tiere, die man mittags und abends auf dem Teller hat. Weiterlesen

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Vom Haarschnitt bis zum gefundenen Einhorn – Mythen aus Nordkorea

Durch die Isolation Nordkoreas ist eine objektive Berichterstattung über das Land und die dort lebenden Menschen nur schwer bis gar nicht möglich.
Kuriose Nachrichten, oft sogar selbst in nordkoreanischen Stellungnahmen verbreitet, bereiten aus europäischer Sicht beim Lesen oft nur Kopfschütteln.
Als Tourist sieht man keinesfalls die Wahrheit, wenn man durch nordkoreanische Straßen geht, dennoch habe ich versucht einigen Mythen auf den Zahn zu fühlen.

„Nordkorea führt seine eigene Zeitzone ein“

Einen Monat vor unserer Abreise erscheint die Pressemitteilung, dass Nordkorea seine Zeit um 30 Minuten zurückgestellt habe. Mein Android-Telefon zeigt dieses nicht, als ich meine Zeitzone wechsle und so fragen wir vor Ort nach der aktuellen Zeit.
Tatsächlich stimmen die Artikel. Die Nordkoreaner sehen die Umstellung als große Befreiung und einen weiteren Schritt zur Unabhängigkeit an. Eine weitere Unterdrückung von der Außenwelt wurde abgewehrt.
Wie weit die Umstellung im Vorhinein geplant war, ist jedoch fraglich. So gibt es auf unserer Rückreise auf den verschiedenen Zugtickets unterschiedliche Abfahrtszeiten, je nachdem, wann sie ausgestellt wurden.

„Frauen dürfen nicht Rad fahren“ Weiterlesen