Andere Länder, andere Müllsysteme – Japan das Land des Plastikmülls

Ich kaufe in einem japanischen Supermarkt einen Schokoriegel und unter einer Verbeugung wird er mir in eine weiße Plastiktüte eingepackt.
Eine neue Plastiktüte für einen Schokoriegel.

IMG_8554Ganz egal, welchen einzelnen Gegenstand man kauft, in Plastik wird er immer eingepackt, selbst wenn man direkt daneben seinen Rucksack öffnet, oder die Stofftasche schon in der Hand hält. Ein Kopfschütteln meinerseits, sowie ein ‚Ii desu.‘ (Ist schon gut) sind meine ersten angelernten Wörter im Supermarkt, noch vor ‚Sumimasen xy arimasu ka?‚ (Entschuldigung, haben Sie xy) und ‚ijou desu‚ (Das ist alles).
Die Verkäufer gucken dann meist irritiert, aber es lässt sich schwer sagen ob das daran liegt, dass ich gegen die Plastiktüten-Konvention verstoße oder mein grottenschlechtes Japanisch einfach schwer verstanden wird.

Nicht nur die Plastiktasche zum Transport ist eine reine Verschwendung, sondern auch häufig die Verpackung des Produktes an sich. Nicht selten ist jeder kleine Keks in der Keksverpackung noch einmal extra verpackt. Was wir nur aus speziellen „Familien-“ oder „To Go“ Verpackungen kennen, erlebe ich beim Öffnen jeder zweiten Tüte.

Noch nie hat sich bei mir so schnell Plastikmüll angesammelt wie in meiner Zeit in Tokio. Tüten, Verpackungen, aber vor allem Plastikflaschen lassen das Müllvolumen explodieren.

Mit viel Müll kommt auch viel Mülltrennung. Dabei ist dieses wie viele andere Regeln in Japan unglaublich streng. Es trennt sich in brennbar oder nicht brennbar. Dabei wird jedoch Papier häufig extra entsorgt und häufig gelten Extrabestimmungen. So muss zum Beispiel der Deckel einer Plastikflasche im Restmüll entsorgt werden und jene vor der Entsorgung von der Folie mit Aufdruck getrennt werden. Sieht die Müllabfuhr ein Vergehen kann es sein das der Müllbeutel nicht abgeholt wird. (ein schöner Blogeintrag dazu: „Brennbar oder nicht brennbar, das ist hier die Frage – Mülltrennung in Japan“)

Der Müll wird vor dem Haus in einem Container oder in einem mit einem Gitter verschlossenem Aufbewahrungsbereich gesammelt, da Tokio ein Problem mit Ratten und vor allem Raben und anderen Vögeln hat, welche die Beutel auf der Suche nach Essbarem beginnen zu zerstören und den Inhalt auf der Straße verteilen.

Aus diesem Grund gibt es genaue Zeiten, zu denen die Müllsäcke an die Straße gestellt werden. Jedes andere Land hätte Mülltonnen eingeführt oder Netze über die Säcke gelegt, Japan hingegen setzt in einigen Teilen mehr in anderen Teilen weniger einen genauen Zeitplan für die Müllentsorgung durch, an den sich jeder Bürger zu halten hat, wenn er möchte das sein Müll entsorgt wird. Das führt dazu, dass ich jeden Freitag brav um 8 Uhr den Müll rausstelle, obwohl mein Arbeitstag erst um 12 Uhr beginnt.

Eine weitere Besonderheit im japanischen Raum ist das Fehlen von Mülltonnen im öffentlichen Raum. Wann immer ich eine Mülltonne benötige, ist nie eine in Sicht. Ausschließlich wo Plastik, Verpackungen und Lebensmittel verkauft werden (Getränkeautomat, Bahnhof, Supermarkt, …) befinden sich auch passende Abfallbehälter. Trotzdem findet man kaum Müll auf der Straße, da das Essen im Gehen unhöflich ist und in Japan darf man alles, nur nicht unhöflich sein.
Selbst Kebab-Shops in Japan haben Sitzgelegenheiten.
Es endet damit, dass sich in meinen Jacken- und Handtaschen Müll ansammelt und zu Hause wieder das große Sortieren beginnt.

Andere Länder, andere Plastikmüllmengen.

 

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