Der Kinderpalast in Nordkorea

Ein Gebäude in welchem Kinder Nachmittags freiwillig und kostenlos Instrumente, Kalligraphie, Gymnastik, tanzen und singen lernen können, klingt nach einem Ort, den jedes Land haben sollte.

IMG_9614Die Führung durch die einzelnen Räume übernimmt ein kleines Mädchen in Schuluniform, welches uns voller Stolz und natürlich freiwillig durch die Ausstellung begleitet.
Fleißig hat sie alle wichtigen Zahlen über das Gebäude auswendig gelernt und erzählt uns, dass täglich 5.000 Kinder das 1989 erbaute Gebäude, welches aussehe wie eine Mutter, die ihr Kind umarme,besuchen würden. Schließlich seien laut Kim Il Sung „Kinder die Könige des Volkes“, wodurch der Kinderpalast auch eines der wichtigsten Bauwerke Pjöngjangs ist.
Oft und gerne werde der Palast von den großen Führern besucht. Informationen, die man wie an jedem anderen Ort auf einer roten Tafel über dem Eingang ablesen kann.
Zahlen und Angaben, die ein weiteres Mal zu schön sind, um wahr zu sein.

Wir werden durch die verschiedenen Räume geführt. Rückfragen kann das kleine Mädchen nicht beantworten und wer könnte ihm böse sein, wenn es rot wird, weil es dann doch nicht so genau weiß, wie viele Zimmer der Kinderpalast nun genau hat.

Während ich in den Räumen der Kalligrafiekurse noch fröhlich und interessiert über die Schultern der Kinder schaue, werde ich nach und nach immer skeptischer.
Akkordion, Klavier und traditionelle Instrumente werden perfekt einstudiert vorgestellt. Immer wieder das selbe Lied für jede Touristengruppe. Dabei sitzt jede Note, jeder Blick und jede Bewegung.
Am Klavier spielt ein vielleicht fünfjähriges Mädchen besser, als ich es nach 10 Jahren könnte.

IMG_9618Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass diese Leistung auch ohne Drill möglich sei, wenn das Kind wirklich jeden Nachmittag übe, gefördert werde und eine natürliche Begabung hat. Dennoch stellt man sich Freizeit für kleine Kinder in Deutschland anders vor.

Nach dem Rundgang haben die Kinder für uns eine Aufführung vorbereitet.
„Für uns“ bedeutet in diesem Fall mehrere hundert Touristen, die im Zuschauerraum Platz nehmen, und „eine Aufführung“ ist keine kleine Schultheaterpräsentation, sondern ein perfekt einstudiertes Spektakel von Kindern zwischen fünf und 16 Jahren.
Singen, Tanzen, waghalsige Zirkusturnereien… alles ist mit dabei. Jede Geste, jedes Nicken, jedes Lächeln wirkt künstlich und perfektioniert. Es erinnert an amerikanische Kinderschönheitswettbewerbe, nur dass die Mädchen und Jungen zusätzlich noch körperliche Höchstleistungen erbringen. Zum Teil komplett überdehnt mit Radschlag-Überschlag in die Brücke turnen die Kinder mit ständigem Lächeln, Make-up und kurzer Kleidung über die Bühne.

Wenn das freiwilliges Lernen ist, möchte ich mir nicht vorstellen, wie der Schulalltag aussehen muss.

Als der Vorhang fällt, ist der Applaus groß. Vor allem die chinesischen Besucher sind absolut aus dem Häuschen, wohingegen die westlichen Zuschauer verhalten reagieren. Ich applaudiere nicht, der Schock muss mir ins Gesicht geschrieben stehen.

IMG_9612Auf die Frage ob es Vergleichbares in Deutschland gibt schüttel ich nur den Kopf. Ich drücke mich um eine Aussage über die Veranstaltung. Darf ich Kritik äußern?
Am Ende entscheide ich mich für „unglaublich“ und „beeindruckend für das Alter“. Größere Kritik schlucke ich runter, zu groß ist die Angst, durch Systemkritik Nachteile zu erhalten oder andere Reiseorte nicht mehr betrachten zu dürfen.

 

 

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