Von der Hungersnot, dem Elektrizitätsproblem & der Landwirtschaft in Nordkorea

Besucht man Nordkorea als Tourist, dann werden beim Essen keine Kosten und Mühen gespart. Jedes Menü besteht aus mehreren Gängen, welche typisch koreanisch auf kleinen Tellern nacheinander serviert werden. Zu jedem Menü gehört Reis, Suppe, Gemüse, Fisch und mindestens zwei Fleischsorten.
Von Lebensmittelknappheit ist nichts zu sehen, lediglich das Problem der oft fehlenden Elektrizität macht sich bemerkbar, da die meisten Speisen zwar gekocht, aber kalt serviert werden. Es scheint nicht möglich, Essen warm zu halten.
Ab und an fällt unter anderem in den Restaurants der Strom aus und nicht immer können Elektrogeräte an den Steckdosen des Hotels geladen werden.

IMG_9773Fährt man durch die Landschaft Nordkoreas, dann findet man keines der Tiere, die man mittags und abends auf dem Teller hat. Weder Hühner, noch Felder für Kühe oder Schweine. Ab und an kann man Ochsen und vereinzelt kleine Ziegenherden entdecken. Jene haben einen Strick um den Hals und bewegen sich frei in der Landschaft, während ein Landwirt ein Auge auf sie wirft.
Entlang der Straßen erstrecken sich Kilometer lange Mais- und Reisfelder. Die Maispflanzen werden jedoch nicht höher als 1,5m und machen oft einen ausgetrockneten Eindruck.
Unser Reiseleiter erklärt mir, dass die Bewirtschaftung von Feldern in Nordkorea ein großes Problem sei. Einerseits gäbe es kaum ebene Flächen, auf welchen man ein Feld bestellen könnte, andererseits sei der Boden oft sehr nährstoffarm und die Bewässerung stelle die Bauern vor eine große Herausforderung.
Die Trockenzeiten und Naturkatastrophen seien der Grund für die Lebensmittelknappheit in Nordkorea.

Alle Erzählungen stimmen. Nordkorea hat definitiv keine idealen Voraussetzungen für landwirtschaftlichen Ackerbau, doch je mehr man sich umsieht, umso mehr fällt auf, dass auch Maschinen vollständig zu fehlen scheinen. Nicht nur, dass einem abseits von Touristenbussen kaum bis keine Autos entgegenkommen, sondern auch auf den Feldern und in den Dörfern sind keine Traktoren, Erntemaschinen oder Bewässerungsanlagen zu erkennen.

IMG_9775Stattdessen ernten Menschen mit einer Sichel, die so groß wie mein Unterarm ist, die Maispflanzen und stapeln jene auf Holzkarren, welche entweder per Hand oder von einem Ochsen gezogen werden.
Ochsen sind es auch, die den Pflug über das Feld ziehen oder schwere Gegenstände transportieren.
Durch den großen Mangel an Strom und Öl ist es nicht verwunderlich, dass die arme Landbevölkerung auf Ochsen und andere Zugtiere angewiesen ist, selbst wenn sie über Maschinen verfügen sollte.

Das Problem, das Nordkorea zurzeit mit der Energiegewinnung hat, wird sich eingestanden und ist den Nordkoreanern bewusst. Im Gegensatz zu anderen Problemen des Landes wird über den Mangel an Elektrizität offen kommuniziert. Jedes Jahr verspricht Kim Jong Un in seiner Ansprache Besserung und jeder Nordkoreaner bekundet auf Nachfrage, daran zu glauben.
Die Lebensmittelnot wird jedoch verschwiegen. Offiziell hat jeder Mensch in Nordkorea Arbeit, ein Dach über dem Kopf und Nahrung. Weitere Nachfragen werden oft weggelächelt, lediglich zu Engpässen würde es aufgrund der schweren Bedingungen in der Landwirtschaft ab und zu kommen.
Mittlerweile hat die nordkoreanische Regierung jedoch eingesehen, dass sie dem Problem nicht mehr allein Herr werden kann und lässt Hilfe der vereinten Nationen zu.
Dadurch begibt sich das Land jedoch in eine Abhängigkeit, die durch verschiedene Raketentests Nordkoreas immer wieder bedrohlich wurde.

Das Geld der Regierung scheint in andere Projekte als in Lebensmittelimporte gesteckt zu werden. Die ständige Instandhaltung der monumentalen Prachtbauten, immer schönere Hochhäuser in Pjöngjang und das neue Mobilfunknetz inklusive Smartphones sind nur einige Projekte, von denen uns stolz berichtet wird. Wie viele Menschen man davon ernähren könnte, mag man sich nicht vorstellen, wenn man durch 630.000 m² Freundschaftsausstellung mit meterhoher Bronzetür spaziert.

IMG_9630Allerdings scheint es um die Finanzen und Rohstoffe des Landes seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr gut zu stehen. Marmor und Bronze sind weiter im Überfluss vorhanden und werden auch fleißig in neuen Führerskulpturen auf den Straßen und in den Dörfern verbaut, Straßen hingegen sind seit dem Bau nicht mehr restauriert worden. Auch entstanden fast alle imposanten Gebäude Nordkoreas in Zeiten, als China und Russland noch die großen Gönner des „kommunistischen“ Vorzeigelands gewesen sind.
Gebäude wie das Ryugyŏng Hotel wirken zwar wie ein futuristischer Turm inmitten Pjöngjangs und mit der modernen Fassade schön und beeindruckend, doch von innen gilt das Gebäude als einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden.

Ob es die Regierung schaffen kann, das Elektrizitätsproblem und die Hungersnot ohne Hilfe von außerhalb zu lösen, ist fraglich. Inwieweit das abgeschottete Land weitere Hilfen zulässt und ob die Regierung unter Kim Jong Un mit anderen Ländern für Lebensmittelimporte wirtschaftlich zusammenarbeitet, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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