Island Culture Night

Wenn man mich auf ein „Stadtfest“ einlädt, dann lehne ich dankend ab.
Das erinnert mich an den Hamburger Dom, Schützenfeste, Kieler Wochen und all die anderen Events voller Alkohol, mit zu vielen Menschen und Touristen an einem Fleck.
Den überteuerten Preisen mal abgesehen kann ich auch sonst keinen Festprodukten etwas abgewinnen.

Mein Island Urlaub war an meine freie Zeit gekoppelt. Viel Buchungsspielraum gab es nicht und so landete ich in Reykjavik tatsächlich durch Zufall kurz vor der jährlichen. DEM Fest Islands.
Während die Stadt selbst mir nach der Landung wirklich verlassen für eine Landeshauptstadt vorkommt (Reykjavik hat knapp über 120 tausend Einwohner, etwa so viele wie Wolfsburg, oder Ulm) verändert sich am Tag der Culture Night alles schlagartig.

Massen von Menschen sind auf der Straße, jede Person ist hübscher angezogen als die nächste (Ernsthaft! Ich habe noch nie so viele modebewusste Menschen auf einem Fleck gesehen!) und überall gibt es etwas zu bestaunen. Es ist so viel los, dass ich gar nicht dazu komme mir auch nur eines der Museen anzusehen (alle Museen haben an der Culture Night freien Eintritt), oder alle Möglichkeiten zu entdecken.
Plötzlich ertönt überall Musik, es wird getanzt und durch die Geschäfte gezogen. Wir enden auf einer Dachterrassen-Party eines geschlossenen Parkhauses.
Allgemein ist die Innenstadt eine komplett autofreie Zone an diesem Tag, dafür ist der ÖPNV gratis.
Während ich also auf einer aufblasbaren Chesterfield Couch zu Elektromusik mein Gesicht von der Sonne bestrahlen lasse und auf Bergkuppen schaue, kommt tatsächlich ein Gefühl von Sommer auf. Und das bei nicht mal 15 Grad.

Später tanzen wir zu DJs, entdecken die Küste auf der Suche nach einem Rap-Festival und hören bekannte isländische Bands auf einer Wiese mit Ausblick auf das spätere Feuerwerk über dem Hafen.

Wenn mir der Flug und die Reise nicht mehr so sehr in den Knochen gesteckt hätte, ich wäre noch die ganze Nacht durch die Straßen getanzt, oder bereits den frühen Morgen durch die einzelnen Museen gezogen. So aber verabschiede ich mich nach Hause und falle erschöpft von all den Eindrücken in mein Hostel-Bett.

Auch wenn das Fest erklärt, warum alle Übernachtungspreise für uns enorm teuer waren: Die Culture Night schafft es auf der Liste meiner international besuchten Events ganz weit nach oben und ich würde sofort wieder fliegen.
Dann auch mit Poesie Abend, Museums-Touren und einer Nacht voller elektronischer Musik bis die Sonne aufgeht.

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